Schrägstützen sicher befestigen: 7 Prüfpunkte vor der Belastung
Schrägstützen gehören auf vielen Baustellen zum Alltag: Sie sichern Schalungen, stabilisieren Wände und halten temporäre Konstruktionen in Position. Doch gerade weil sie schräg belastet werden, stellen sie besondere Anforderungen an die Befestigung. Wer die folgenden sieben Prüfpunkte vor der Belastung systematisch abarbeitet, minimiert das Risiko von Schäden, Nacharbeit und gefährlichen Situationen auf der Baustelle.
Warum Schrägstützen besondere Anforderungen stellen
Anders als bei lotrechten Zuglasten wirken bei Schrägstützen kombinierte Kräfte auf das Befestigungsmittel ein: Zug und Querkraft treten gleichzeitig auf, oft in wechselnden Verhältnissen je nach Belastungssituation. Das bedeutet, dass eine Betonschraube oder ein Einschraubdübel nicht nur auf Herausziehen, sondern auch auf seitliche Beanspruchung ausgelegt sein muss.
Hinzu kommt, dass Schrägstützen häufig unter Zeitdruck gesetzt werden, etwa beim Betonieren von Wänden oder beim schnellen Aufbau von Schalungssystemen. Genau in diesen Situationen schleichen sich Fehler ein, die später zu Versagen oder aufwendiger Nacharbeit führen. Die folgenden sieben Prüfpunkte helfen Ihnen, diese Fehler systematisch zu vermeiden.
Prüfpunkt 1: Untergrund korrekt identifizieren und klassifizieren
Der erste und grundlegendste Schritt beim Befestigen von Schrägstützen ist die genaue Kenntnis des Untergrunds. Beton, Mauerwerk, Porenbeton und Asphalt stellen völlig unterschiedliche Anforderungen an das Befestigungsmittel. Eine Betonschraube, die sich ihr Gewinde direkt in den Untergrund schneidet, funktioniert nur dann zuverlässig, wenn der Untergrund die erforderliche Mindestdruckfestigkeit aufweist.
Für Betonschrauben wie die TSM BC ST gilt: Der Beton muss eine Druckfestigkeit von mindestens 10 N/mm² erreicht haben. Gerissener und ungerissener Beton sind beide zulässig, sofern die jeweilige Zulassung dies abdeckt. Prüfen Sie daher vor der Montage, ob Betonprüfprotokolle oder Bauwerkspläne Auskunft über die tatsächliche Festigkeitsklasse geben.
Besonders wichtig ist diese Prüfung bei älteren Bauwerken oder bei Beton, dessen Aushärtung noch nicht abgeschlossen ist. Setzen Sie Schrägstützen ausschließlich in ausgehärteten Beton, der die geforderte Mindestfestigkeit nachweislich erreicht hat.
Prüfpunkt 2: Einbautiefe und Randabstände einhalten
Die Einbautiefe einer Betonschraube bestimmt maßgeblich, wie viel Last sie aufnehmen kann. Zu geringe Einbautiefe reduziert die Tragfähigkeit erheblich, zu große Einbautiefe kann dazu führen, dass der Schraubenkopf nicht mehr vollständig auf dem Anbauteil aufliegt. Beides ist bei Schrägstützen kritisch, da die kombinierte Zug- und Querlast wenig Toleranz lässt.
Ebenso wichtig sind die Randabstände zur Betonkante und die Achsabstände zwischen mehreren Befestigungspunkten. Werden diese Mindestabstände unterschritten, kann es zu Betonausbrüchen kommen, die die gesamte Befestigung gefährden. Die zulässigen Mindestabstände sind in den jeweiligen Zulassungsdokumenten des Befestigungsmittels festgelegt.
Prüfen Sie vor der Montage anhand der Produktdokumentation, welche Einbautiefe und welche Rand- sowie Achsabstände für Ihre spezifische Anwendung gelten. Halten Sie diese Werte auch dann ein, wenn der Zeitdruck auf der Baustelle groß ist.
Prüfpunkt 3: Vorbohrdurchmesser und Bohrtiefe kontrollieren
Betonschrauben schneiden sich ihr Gewinde selbst in den Untergrund. Das funktioniert nur dann präzise und mit der vorgesehenen Tragfähigkeit, wenn das Bohrloch den exakt richtigen Durchmesser hat. Ein zu großes Bohrloch führt dazu, dass das Gewinde keinen ausreichenden Halt findet; ein zu kleines Bohrloch erschwert das Eindrehen und kann die Schraube oder den Untergrund beschädigen.
Die Bohrtiefe muss mindestens der erforderlichen Einbautiefe plus dem Spielraum für Bohrmehl entsprechen. Hammerbohren ist für die Herstellung des Bohrlochs in Beton ausreichend. Kontrollieren Sie Durchmesser und Tiefe mit geeignetem Messwerkzeug, bevor Sie die Schraube eindrehen.
Ein Ausblasen des Bohrlochs vor der Montage wird empfohlen, da es das Eindrehen erleichtert und beschleunigt. Auf die Tragfähigkeit der Verbindung hat eine fehlende Bohrlochreinigung bei Betonschrauben jedoch keinen Einfluss.
Prüfpunkt 4: Anzugsmoment konform aufbringen
Das Anzugsmoment ist einer der am häufigsten unterschätzten Prüfpunkte. Zu wenig Drehmoment bedeutet, dass der Schraubenkopf nicht vollständig auf dem Anbauteil aufliegt und die Verbindung unter Last nachgeben kann. Zu viel Drehmoment kann das Gewinde im Beton beschädigen oder die Schraube überlasten.
Für jede Betonschraube gibt der Hersteller ein zulässiges Anzugsmoment an. Verwenden Sie einen kalibrierten Drehmomentschlüssel und stellen Sie diesen auf den vorgeschriebenen Wert ein. Auf der Baustelle wird dieser Schritt oft übersprungen, weil er zeitaufwendig erscheint. Bei Schrägstützen, die unter dynamischer oder wechselnder Last stehen, ist er jedoch unverzichtbar.
Stellen Sie außerdem sicher, dass der Schraubenkopf nach dem Anziehen vollständig und plan auf dem Anbauteil aufliegt. Ist das nicht der Fall, ist die Verbindung nicht ordnungsgemäß hergestellt und muss korrigiert werden.
Prüfpunkt 5: Winkel der Krafteinleitung berücksichtigen
Der Name „Schrägstütze“ beschreibt bereits das zentrale Problem: Die Kraft wird nicht senkrecht zur Befestigungsebene eingeleitet, sondern in einem Winkel. Dieser Winkel bestimmt das Verhältnis von Zug- zu Querlast an der Befestigung. Je flacher der Winkel, desto größer der Querkraftanteil.
Viele Bemessungstabellen in Zulassungsdokumenten geben Tragfähigkeiten getrennt für Zug und Querkraft an. Bei kombinierter Beanspruchung, wie sie bei Schrägstützen typisch ist, müssen beide Werte in einer Interaktionsrechnung zusammengeführt werden. Prüfen Sie, ob die gewählte Schraube für die tatsächlich auftretende Lastkombination ausreichend bemessen ist.
Berücksichtigen Sie dabei auch dynamische Einflüsse: Schalungsstützen können durch Betonierlasten, Wind oder Erschütterungen zusätzlich beansprucht werden. Diese Zusatzlasten müssen in der Bemessung enthalten sein.
Prüfpunkt 6: Zulassungen und Bemessungswerte prüfen
Nicht jede Betonschraube ist für jede Anwendung zugelassen. Für sicherheitsrelevante Befestigungen auf der Baustelle, insbesondere für Absturzsicherungen, Gerüste und Schalungsstützen, sind Produkte mit entsprechenden Zulassungen erforderlich. In Europa sind Europäisch Technische Bewertungen (ETA) der maßgebliche Nachweis für die Eignung eines Befestigungsmittels.
Prüfen Sie vor der Montage, ob das eingesetzte Produkt über eine gültige ETA oder eine Allgemeine Bauartgenehmigung (ABG) verfügt, die den geplanten Anwendungsfall abdeckt. Achten Sie dabei auf den Geltungsbereich: Manche Zulassungen beschränken sich auf bestimmte Betonfestigkeitsklassen, Einbautiefen oder Lastrichtungen.
Für Ausschreibungen und Dokumentationspflichten halten Sie die Zulassungsnummern und die zugehörigen Bemessungswerte schriftlich fest. Das schützt Sie im Schadensfall und erleichtert die Abnahme durch den Bauleiter oder Prüfingenieur.
Prüfpunkt 7: Sichtprüfung nach der Montage durchführen
Nach der Montage ist vor der Belastung: Eine abschließende Sichtprüfung aller Befestigungspunkte gehört zum Pflichtprogramm, bevor die Schrägstütze belastet wird. Prüfen Sie dabei, ob der Schraubenkopf vollständig auf dem Anbauteil aufliegt, ob der Untergrund im Bereich der Befestigung keine Risse oder Ausbrüche zeigt und ob alle Schrauben den richtigen Sitz haben.
Achten Sie auch auf den Zustand der Anbauteile selbst: Verformte Anschlussplatten, beschädigte Gewinde oder falsch positionierte Bohrungen können die Tragfähigkeit der gesamten Verbindung beeinträchtigen, selbst wenn die Schraube korrekt gesetzt wurde.
Dokumentieren Sie die Sichtprüfung, insbesondere bei sicherheitsrelevanten Anwendungen wie Absturzsicherungen oder Schalungsstützen. Eine kurze Fotodokumentation der montierten Befestigungspunkte ist schnell erstellt und kann im Zweifelsfall entscheidend sein.
Sicher in die Belastung: Befestigung auf einen Blick
Die sieben Prüfpunkte lassen sich in einer klaren Reihenfolge zusammenfassen, die Sie vor jeder Belastung von Schrägstützen durchlaufen sollten:
- Untergrund identifizieren und Mindestdruckfestigkeit sicherstellen
- Einbautiefe und Randabstände anhand der Produktdokumentation festlegen
- Bohrloch mit korrektem Durchmesser und ausreichender Tiefe herstellen
- Anzugsmoment mit kalibriertem Drehmomentschlüssel aufbringen
- Krafteinleitungswinkel in der Bemessung berücksichtigen
- Zulassungen und Bemessungswerte für den konkreten Anwendungsfall prüfen
- Sichtprüfung aller Befestigungspunkte vor der Belastung durchführen
Wer diese Punkte konsequent einhält, schafft eine sichere Grundlage für den Einsatz von Schrägstützen, unabhängig davon, ob es sich um eine temporäre Schalungsstütze oder eine dauerhaft beanspruchte Konstruktion handelt.
TOGE: Betonschrauben für temporäre Befestigung und Baustellensicherung
Wir bei TOGE entwickeln und fertigen Befestigungslösungen, die speziell auf die Anforderungen des Baualltags ausgelegt sind, einschließlich der besonderen Beanspruchungen durch Schrägstützen und temporäre Baustelleneinrichtungen. Unsere Betonschrauben schneiden sich ihr Gewinde direkt in den Untergrund, ohne separates Hülsensystem, und sind für hohe Zug- und Querlasten im gerissenen wie im ungerissenen Beton ausgelegt.
Für die Befestigung von Schrägstützen, Gerüsten und Absturzsicherungen bieten wir zwei speziell zugelassene Produkte:
- Die TSM BC ST Schrägstützenschraube ist mit der Allgemeinen Bauartgenehmigung Z-21.8-2115 zugelassen und eignet sich für temporäre Befestigungen im Außenbereich. Sie ist vollständig demontierbar und wiederverwendbar, was Materialtrennung und Entsorgungsaufwand reduziert.
- Der TSM Schalungsanker verfügt zusätzlich über ein 15-mm-Schalungsankergewinde für handelsübliche Ankermuttern und ist durch die Europäisch Technische Bewertung ETA-15/0514 sowie die Allgemeine Bauartgenehmigung Z-21.8-2115 zugelassen. Er eignet sich für Schalungsbau, Maschinenbefestigung und die Befestigung von Kernbohrgeräten.
- Beide Produkte sind EU-taxonomiefähig und unterstützen zirkuläre Bauweisen durch rückstandsfreie Entfernung und Wiederverwendbarkeit.
- Mehr als 90 % unserer Materialien stammen aus Deutschland oder Europa innerhalb eines Radius von 500 km, ein klares Bekenntnis zu Qualität und Nachhaltigkeit.
Wenn Sie Fragen zur richtigen Produktauswahl für Ihre spezifische Anwendung haben oder technische Beratung benötigen, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Nehmen Sie einfach Kontakt auf.