Was bedeuten die Korrosionsklassen C1 bis C5 in der Praxis?

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Die Korrosionsklassen C1 bis C5 beschreiben, wie aggressiv die Umgebung ist, in der ein Befestigungsmittel dauerhaft eingesetzt wird. Je höher die Klasse, desto stärker der Korrosionsangriff, und desto widerstandsfähiger muss das Material oder die Beschichtung der Schraube sein. Wer die falsche Klasse wählt, riskiert vorzeitigen Materialverlust, Tragfähigkeitsverlust und im schlimmsten Fall das Versagen der Befestigung. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Praxisfragen rund um Korrosionsklassen bei der Befestigung in Beton und anderen Untergründen.

Welche Korrosionsklassen gibt es und wie sind sie definiert?

Die Korrosionsklassen C1 bis C5 sind in der Norm EN ISO 12944 definiert und beschreiben die Korrosivitätskategorien von Umgebungen, denen Stahlbauteile und Befestigungsmittel ausgesetzt sind. C1 steht für eine sehr geringe Korrosionsbelastung, C5 für eine sehr hohe. Die Einstufung basiert auf dem jährlichen Masseverlust von Stahl- und Zinkproben, die der jeweiligen Umgebung ausgesetzt werden.

  • C1 (sehr gering): Beheizte Innenräume mit trockener Luft, zum Beispiel Büros, Schulen oder Wohngebäude. Kaum Feuchtigkeit, keine aggressiven Stoffe.
  • C2 (gering): Ungeheizte Gebäude mit gelegentlicher Kondensation, ländliche Außenbereiche mit geringer Luftverschmutzung.
  • C3 (mittel): Städtische und industrielle Außenbereiche mit mäßiger Luftverschmutzung, Produktionsstätten mit hoher Luftfeuchtigkeit wie Brauereien oder Wäschereien.
  • C4 (hoch): Industrielle Bereiche und Küstengebiete mit mäßigem Salzgehalt, Chemieanlagen, Schwimmbäder.
  • C5 (sehr hoch): Industrielle Bereiche mit hoher Luftfeuchtigkeit und aggressiver Atmosphäre sowie Küsten- und Offshore-Bereiche mit hohem Salzgehalt.

Für Befestigungen in Beton ist diese Einstufung unmittelbar relevant, weil die Schraube dauerhaft im Untergrund verankert bleibt und Korrosion an der Einbindezone die Tragfähigkeit direkt beeinträchtigt. Die Wahl der richtigen Korrosionsklasse ist daher keine rein ästhetische Entscheidung, sondern eine sicherheitsrelevante.

Woran erkennt man die richtige Korrosionsklasse für eine Baustelle?

Die richtige Korrosionsklasse für eine Baustelle ergibt sich aus den tatsächlichen Umgebungsbedingungen am Einbauort, nicht aus dem Gebäudetyp allein. Entscheidend sind Feuchtigkeit, Temperatur, Schadstoffbelastung der Luft und die Nähe zu korrosionsfördernden Stoffen wie Salz, Chlor oder Industrieemissionen.

In der Praxis helfen folgende Leitfragen bei der Einordnung:

  • Ist der Einbauort dauerhaft trocken und beheizt? Dann genügt in der Regel C1 oder C2.
  • Liegt das Objekt in einer Stadt oder in der Nähe von Industrieanlagen? C3 ist der Ausgangspunkt.
  • Gibt es regelmäßigen Kontakt mit Feuchtigkeit, Reinigungsmitteln oder Chlor, zum Beispiel in Schwimmbädern oder Lebensmittelbetrieben? C4 ist anzusetzen.
  • Handelt es sich um ein Küstengebäude, eine Offshore-Anlage oder eine Anlage mit dauerhaft aggressiver Atmosphäre? Dann ist C5 erforderlich.

Wichtig: Der Einbauort innerhalb eines Gebäudes kann sich von der Außenklassifizierung unterscheiden. Eine Befestigung in einem Kühlhaus oder einer Tiefgarage mit Tausalzeintrag kann eine höhere Klasse erfordern als die Außenfassade desselben Gebäudes. Im Zweifel sollte die Einstufung durch einen Fachplaner erfolgen, der die konkreten Bedingungen vor Ort bewertet.

Welche Materialien und Beschichtungen entsprechen welcher Korrosionsklasse?

Welches Material oder welche Beschichtung für eine bestimmte Korrosionsklasse geeignet ist, hängt von der Schutzwirkung des Werkstoffs gegenüber dem jeweiligen Korrosionsangriff ab. Für Befestigungsschrauben in Beton kommen vor allem verzinkter Stahl, verschiedene Edelstahlgüten und Speziallegierungen zum Einsatz.

Beschichtungen für niedrige bis mittlere Korrosionsklassen (C1 bis C3)

Für die Klassen C1 und C2 reicht in der Regel eine galvanische Verzinkung mit ausreichender Schichtdicke. Für C3 empfiehlt sich eine dickere Zinkbeschichtung oder eine Feuerverzinkung. Diese Beschichtungen bieten einen zuverlässigen Schutz in trockenen bis mäßig feuchten Innenräumen und in wenig belasteten Außenbereichen.

Materialien für hohe bis sehr hohe Korrosionsklassen (C4 und C5)

Ab Korrosionsklasse C4 stoßen reine Zinkbeschichtungen an ihre Grenzen. Hier kommen nichtrostende Stähle zum Einsatz. Edelstahl A2 (1.4301) bietet guten Korrosionsschutz für viele Innen- und Außenanwendungen, ist jedoch gegenüber chloridhaltigen Medien empfindlich. Für C5-Umgebungen, insbesondere bei Chloridbelastung durch Meerwasser oder Schwimmbadatmosphäre, ist Edelstahl A4 (1.4401 oder 1.4404) erforderlich, der eine deutlich höhere Chloridbeständigkeit aufweist.

Was passiert, wenn die Korrosionsklasse falsch gewählt wird?

Wird eine zu niedrige Korrosionsklasse gewählt, setzt Korrosion an der Schraube früher ein als geplant. Das führt zunächst zu Querschnittsminderung, dann zu Tragfähigkeitsverlust und im weiteren Verlauf zum vollständigen Versagen der Befestigung. Besonders kritisch ist das bei tragenden Konstruktionen, wo ein Versagen Personenschäden verursachen kann.

In der Praxis zeigen sich falsch gewählte Korrosionsklassen oft erst nach Jahren, wenn Roststellen sichtbar werden oder Befestigungen bei Belastung nachgeben. Die Nacharbeit ist dann aufwendig: Schrauben müssen ausgebohrt, Bohrlöcher saniert und neue Befestigungen gesetzt werden. Das kostet Zeit, Geld und im schlimmsten Fall die Betriebssicherheit einer Anlage.

Ein weiterer Aspekt ist die Haftung. Wer als ausführendes Unternehmen eine Befestigung mit ungeeignetem Korrosionsschutz einbaut, trägt die Verantwortung für daraus entstehende Schäden. Die korrekte Auswahl der Korrosionsklasse ist daher nicht nur eine technische, sondern auch eine rechtliche Anforderung.

Welche Normen und Zulassungen regeln die Korrosionsklassen?

Die Korrosionsklassen für Befestigungsmittel werden durch mehrere Normen und europäische Regelwerke definiert. Die zentrale Norm ist die EN ISO 12944, die Korrosivitätskategorien für Stahlbauteile festlegt. Für Befestigungsmittel im Bauwesen ist zusätzlich die EN ISO 4042 relevant, die Anforderungen an elektrolytische Beschichtungen von Verbindungselementen regelt.

Für Betonschrauben und andere Befestigungsmittel, die in tragenden Konstruktionen eingesetzt werden, sind Europäische Technische Bewertungen (ETA) nach der Verordnung (EU) 2024/3110 des Europäischen Parlaments und des Rates maßgeblich. Diese Zulassungen legen fest, unter welchen Bedingungen ein Produkt eingesetzt werden darf, und enthalten in der Regel auch Angaben zu den zulässigen Korrosionsklassen und den entsprechenden Materialanforderungen.

Für Ausschreibungen und Nachweise ist es wichtig, dass die verwendeten Befestigungsmittel über eine gültige ETA verfügen, die den Einsatz in der jeweiligen Korrosionsklasse explizit abdeckt. Allgemeine Bauartgenehmigungen (aBG) können ergänzend relevant sein, wenn nationale Anforderungen über die europäischen Regelungen hinausgehen.

Wann reicht Edelstahl A2 – und wann muss es A4 sein?

Edelstahl A2 reicht für Korrosionsklassen bis C3 und in vielen C4-Anwendungen aus, sofern kein direkter Kontakt mit Chloriden besteht. Sobald chloridhaltige Medien ins Spiel kommen, zum Beispiel in Schwimmbädern, in Meeresküstennähe oder bei Tausalzbelastung in Tiefgaragen, muss Edelstahl A4 verwendet werden, da A2 unter Chlorideinfluss zur Lochkorrosion neigt.

Die Unterscheidung ist in der Praxis oft entscheidend:

  • A2 geeignet: Trockene und mäßig feuchte Innenräume, städtische Außenbereiche ohne Chloridbelastung, allgemeine Industrieumgebungen bis C3.
  • A4 erforderlich: Schwimmbäder und Bäderanlagen, Küstengebiete und Offshore-Bereiche, Tiefgaragen mit Tausalzeintrag, Lebensmittelverarbeitungsbetriebe mit Reinigungsmitteln auf Chlorbasis, Anlagen der chemischen Industrie.

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die Annahme, dass Edelstahl generell ausreichend ist. Die Güte des Edelstahls ist jedoch entscheidend. A2 und A4 sehen identisch aus, verhalten sich unter Chloridbelastung aber grundlegend unterschiedlich. Im Zweifel gilt: Wenn Chloride nicht sicher ausgeschlossen werden können, ist A4 die sichere Wahl.

Wie TOGE bei der Wahl der richtigen Korrosionsklasse unterstützt

Die Auswahl der richtigen Korrosionsklasse ist eine der häufigsten Fragen, die uns in der Praxis erreichen. Wir haben unser Sortiment an TOGE Betonschrauben gezielt so aufgebaut, dass für jede Korrosionsklasse von C1 bis C5 eine geprüfte und zugelassene Lösung verfügbar ist.

  • Vier Beschichtungsvarianten im Standard: Unsere TSM High Performance Betonschraube ist im Standardsortiment in vier Beschichtungen erhältlich, die die Korrosionsklassen C1 bis C5 abdecken.
  • Edelstahl A4 für höchste Anforderungen: Für Anwendungen in Schwimmbädern, Küstenbereichen oder anderen chloridbelasteten Umgebungen bieten wir Varianten in Edelstahl A4 an.
  • Gültige ETAs als Nachweis: Unsere Produkte verfügen über Europäische Technische Bewertungen, die den Einsatz in den jeweiligen Korrosionsklassen dokumentieren und für Ausschreibungen verwendbar sind.
  • Sonderlösungen auf Anfrage: Wenn Standardbeschichtungen nicht ausreichen, entwickeln wir individuelle Lösungen für besondere Umgebungsbedingungen.

Wenn Sie unsicher sind, welche Korrosionsklasse für Ihr Projekt zutrifft oder welche Schraube die richtige ist, stehen wir Ihnen gerne für ein Beratungsgespräch zur Verfügung.

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