Was ist der Unterschied zwischen Dübel und Betonschraube?

Befestigung-Gelaender-AdobeStock_304884901-1280x853.jpeg

Der Hauptunterschied zwischen einem Dübel und einer Betonschraube liegt im Wirkprinzip: Ein klassischer Dübel ist eine Kunststoff- oder Metallhülse, die in ein vorgebohrtes Loch eingesetzt wird und erst durch eine separate Schraube spreizend verankert wird. Eine Betonschraube hingegen schneidet sich ihr Gewinde direkt in den Untergrund und verankert sich ohne zusätzliche Hülse formschlüssig im Material. Welches System für Ihre Anwendung das richtige ist, hängt vom Untergrund, der Last und den Montagebedingungen ab. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

Wie funktioniert ein Dübel – und wie eine Betonschraube?

Ein klassischer Dübel funktioniert nach dem Spreizprinzip: Eine Hülse aus Kunststoff oder Metall wird in ein vorgebohrtes Loch eingesetzt. Wenn die Schraube eingedreht wird, spreizt sich die Hülse im Untergrund auf und erzeugt so Reibungskraft. Die Betonschraube arbeitet anders: Sie schneidet beim Eindrehen ein eigenes Gewinde direkt in den Untergrund und verankert sich formschlüssig, ohne dass eine separate Hülse benötigt wird.

Beim Spreizprinzip des klassischen Dübels entsteht die Haltekraft durch radialen Druck auf die Bohrlochwandung. Das funktioniert gut in vielen Untergründen, hat aber Grenzen: In der Nähe von Bauteilkanten oder bei geringen Achsabständen kann der Spreizvorgang den Untergrund belasten und zu Rissen führen. Zudem ist ein gespreizter Dübel in der Regel nicht mehr demontierbar.

Die Betonschraube, auch als Einschraubdübel oder Schraubtechnik bezeichnet, erzeugt ihre Haltekraft durch den direkten Gewindeeingriff im Untergrund. Das Gewinde verzahnt sich mit dem Material, was geringe Rand- und Achsabstände ermöglicht und eine deutlich schnellere Montage erlaubt. Ein weiterer Vorteil: Betonschrauben sind demontierbar und können bei Bedarf wieder entfernt oder justiert werden.

Für welche Untergründe eignen sich Dübel und Betonschrauben jeweils?

Klassische Spreizdübel eignen sich für eine breite Palette von Untergründen, darunter Vollbeton, Mauerwerk und Lochstein, wobei die Eignung stark vom jeweiligen Dübelsystem abhängt. Betonschrauben sind besonders leistungsstark in Vollbeton, funktionieren aber je nach Ausführung auch in Mauerwerk, Naturstein mit dichtem Gefüge und Spannbeton-Hohlplattendecken.

Untergründe für klassische Spreizdübel

Spreizdübel aus Kunststoff sind in der Praxis vor allem für leichte bis mittlere Lasten in Vollbeton und Vollziegel geeignet. Schwerlast-Metalldübel mit Spreizprinzip funktionieren auch in Beton für höhere Lasten, benötigen aber ausreichend Randabstand, damit der Spreizvorgang keine Risse im Untergrund verursacht. In Lochstein oder Porenbeton sind Spreizdübel oft problematisch, weil die Hohlräume oder die geringe Festigkeit des Materials keinen ausreichenden Widerstand für den Spreizvorgang bieten.

Untergründe für Betonschrauben

Betonschrauben entfalten ihre Stärken besonders in Vollbeton der Festigkeitsklassen C20/25 bis C50/60, sowohl in gerissenem als auch in ungerissenem Beton. Darüber hinaus sind bestimmte Betonschrauben-Systeme auch für Mauerwerk, Naturstein mit dichtem Gefüge sowie Spannbeton-Hohlplattendecken zugelassen. Für Porenbeton oder Lochstein gelten gesonderte Anforderungen, und es sollten nur Systeme eingesetzt werden, die dafür ausdrücklich zugelassen sind. Die genauen Einsatzbereiche entnehmen Sie stets den technischen Daten und Zulassungsunterlagen des jeweiligen Produkts.

Wann ist eine Betonschraube die bessere Wahl?

Eine Betonschraube ist die bessere Wahl, wenn Schnelligkeit, Demontierbarkeit oder geringe Rand- und Achsabstände gefragt sind. Auch bei hohen Lasten in Vollbeton, bei beengten Platzverhältnissen oder wenn eine Befestigung später wieder gelöst werden muss, spielt die Betonschraube ihre Vorteile gegenüber klassischen Spreizdübeln klar aus.

Konkret empfiehlt sich die Betonschraube in folgenden Situationen:

  • Zeitkritische Montagen: Kein separates Einsetzen einer Hülse, kein Warten auf Aushärtung. Das Bohrloch reinigen, Schraube eindrehen, fertig.
  • Demontierbare Verbindungen: Wenn Anbauten später verändert oder entfernt werden müssen, lässt sich die Betonschraube rückstandsfrei lösen.
  • Enge Rand- und Achsabstände: Da kein Spreizvorgang stattfindet, sind geringere Abstände zur Bauteilkante möglich, ohne den Untergrund zu gefährden.
  • Schwerlastanwendungen in Beton: Bei der Befestigung von Rohrleitungen, Lüftungskanälen, Geländern oder Hochregalfüßen bietet die Betonschraube ein hohes Lastniveau.
  • Mehrfache Justierung während der Montage: Bestimmte Betonschrauben-Systeme erlauben eine Justierung während des Einschraubvorgangs, was bei der Ausrichtung von Anbauteilen hilfreich ist.

Der klassische Spreizdübel bleibt sinnvoll, wenn keine besonderen Anforderungen an Demontierbarkeit oder Randabstände bestehen und das Befestigungssystem dauerhaft im Untergrund verbleiben soll.

Muss man bei Betonschrauben vorbohren?

Ja, bei Betonschrauben muss grundsätzlich vorgebohrt werden. Anders als bei manchen Holzschrauben ist ein Vorbohren in Beton, Mauerwerk oder Naturstein zwingend erforderlich, da das Material zu hart ist, um die Schraube direkt einzutreiben. Das Bohrloch muss anschließend gründlich gereinigt werden, bevor die Schraube eingedreht wird.

Die korrekte Montage einer Betonschraube erfolgt in vier Schritten:

  1. Bohrloch erstellen: Mit einem geeigneten Bohrer den richtigen Durchmesser und die erforderliche Tiefe bohren. Durchmesser und Tiefe sind den technischen Daten des jeweiligen Produkts zu entnehmen.
  2. Bohrloch gründlich reinigen: Bohrstaub und Rückstände müssen vollständig entfernt werden, da sie den Gewindeeingriff beeinträchtigen und die Tragfähigkeit reduzieren.
  3. Betonschraube eindrehen: Die Schraube wird mit dem passenden Werkzeug eingedreht. Das Gewinde schneidet sich dabei selbst in den Untergrund.
  4. Schraubenkopf vollständig aufliegen lassen: Die Montage ist erst abgeschlossen, wenn der Schraubenkopf vollständig auf dem Anbauteil aufliegt. Nur so ist die volle Tragfähigkeit gewährleistet.

Für Montagen in Mauerwerk gelten gesonderte Angaben, die den jeweiligen technischen Unterlagen zu entnehmen sind. Ein häufiger Fehler in der Praxis ist das unzureichende Reinigen des Bohrlochs. Gerade in staubendem Beton sammelt sich schnell Material im Loch, das den Gewindeeingriff verhindert und die Haltekraft deutlich mindert.

Welche Normen und Zulassungen gelten für Dübel und Betonschrauben?

Für Dübel und Betonschrauben, die in tragenden oder sicherheitsrelevanten Anwendungen eingesetzt werden, sind Europäische Technische Bewertungen (ETA) der maßgebliche Zulassungsnachweis. Eine ETA belegt, dass ein Befestigungssystem nach definierten Prüfverfahren getestet wurde und die Leistungsmerkmale nachweislich erfüllt. Für Ausschreibungen und Bauanträge ist die ETA in der Regel Pflicht.

Daneben existieren in Deutschland Allgemeine Bauartgenehmigungen (aBG), die für bestimmte Anwendungen relevant sind, etwa für temporäre Befestigungen oder den Einsatz als Verbundankerschraube. Für Produkte, die in der EU vermarktet werden, gilt zudem die Bauproduktenverordnung, die harmonisierte Anforderungen an die Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung festlegt.

Für Ausschreibungen und die Produktauswahl sollten Sie auf folgende Nachweise achten:

  • Europäische Technische Bewertung (ETA): Für Einzelbefestigung, Mehrfachbefestigung und spezifische Untergründe wie Mauerwerk separat ausgestellt.
  • Allgemeine Bauartgenehmigung (aBG): Für besondere Anwendungsfälle, die über die ETA hinausgehen.
  • Leistungserklärung: Pflichtdokument für CE-gekennzeichnete Bauprodukte, das die deklarierten Leistungsmerkmale verbindlich festhält.
  • Umwelt-Produktdeklaration (EPD): Für Projekte mit Nachhaltigkeitsanforderungen oder DGNB-Zertifizierung relevant, nach ISO 14025 und EN 15804+A2.

Wichtig: Prüfen Sie bei der Produktauswahl immer, ob die vorliegende ETA den konkreten Untergrund und die geplante Anwendung abdeckt. Eine ETA für Einzelbefestigung in Beton gilt nicht automatisch für Mehrfachbefestigungen oder Mauerwerk.

Was kostet mehr – Dübel oder Betonschraube?

Im direkten Produktvergleich ist eine Betonschraube in der Anschaffung oft etwas teurer als ein einfacher Kunststoffspreizdübel mit Schraube. Betrachtet man jedoch die Gesamtkosten einer Befestigung inklusive Montagezeit, Werkzeugaufwand und möglicher Nacharbeit, ist die Betonschraube in vielen Anwendungen wirtschaftlicher.

Der entscheidende Faktor ist die Montagezeit. Ein klassisches Dübelsystem erfordert das Einsetzen der Hülse als separaten Schritt, während die Betonschraube nach dem Reinigen des Bohrlochs direkt eingedreht wird. Bei größeren Stückzahlen summiert sich dieser Zeitvorteil erheblich. Hinzu kommt, dass Betonschrauben demontierbar sind: Wenn ein Anbauteil später verändert oder entfernt werden muss, entfällt aufwendiges Nacharbeiten oder das Setzen neuer Befestigungspunkte.

Für die Kostenbewertung empfiehlt sich daher eine Gesamtbetrachtung:

  • Materialkosten: Betonschrauben sind pro Stück oft teurer als einfache Kunststoffdübel, aber günstiger als Schwerlast-Metalldübelsysteme.
  • Montagezeit: Schnellere Montage reduziert Lohnkosten, besonders bei Serienarbeiten.
  • Demontage und Flexibilität: Kein Mehraufwand bei späteren Änderungen.
  • Fehlerkosten: Ein falsch gewähltes oder falsch montiertes Befestigungssystem verursacht Nacharbeit, die deutlich teurer ist als die Differenz im Materialpreis.

Für professionelle Anwender, die täglich mit der Befestigung in Beton arbeiten, rechnet sich die Betonschraube in der Regel schnell. Bei einfachen Gelegenheitsanwendungen mit geringen Lasten kann der klassische Dübel die kostengünstigere Wahl bleiben.

Wie TOGE bei der Befestigung in Beton unterstützt

Wir bei TOGE entwickeln und fertigen Betonschrauben, die speziell auf die Anforderungen professioneller Anwender ausgelegt sind. Unser Fokus liegt auf technischer Präzision, einer nachgewiesenen Zulassungsbasis und praxistauglicher Montage.

Mit unseren TOGE Betonschrauben bieten wir Ihnen konkrete Vorteile für die tägliche Arbeit auf der Baustelle:

  • Breite Zulassungsbasis: Unsere TSM High Performance Betonschraube verfügt über mehrere Europäische Technische Bewertungen (ETA) für Einzelbefestigung, Mehrfachbefestigung und Mauerwerk sowie Allgemeine Bauartgenehmigungen für besondere Anwendungsfälle.
  • Große Typenvielfalt: Sieben Kopfformen, verschiedene Beschichtungen von verzinkt bis Edelstahl A4 (Korrosionsklasse C1 bis C5) und drei Verankerungstiefen decken nahezu jede Anforderung ab.
  • Justierbar und demontierbar: Unsere Schrauben können während der Montage justiert und nach der Montage jederzeit wieder entfernt werden.
  • Hohes Lastniveau: Zugelassen für Betonfestigkeitsklassen C20/25 bis C50/60, in gerissenem und ungerissenem Beton, für Anwendungen von der Rohrleitung bis zum Hochregal.
  • Qualität aus Deutschland: Mehr als 90 % unserer Materialien stammen aus Deutschland oder Europa innerhalb von 500 km, ergänzt durch eine Umwelt-Produktdeklaration (EPD) nach ISO 14025 und EN 15804+A2.

Wenn Sie unsicher sind, welches System für Ihren Untergrund und Ihre Last das richtige ist, helfen wir Ihnen gerne weiter. Nehmen Sie einfach Kontakt auf und wir beraten Sie technisch fundiert und ohne Umwege.

Ähnliche Artikel

Kontakt

Wir freuen uns über Ihren

Anruf oder Ihre E-Mail.


+ 49 911 659 68-0

Kontaktformular

Standort

Hier finden Sie uns.

TOGE Dübel GmbH & Co. KG
Illesheimer Str. 10
90431 Nürnberg
GERMANY



Neuigkeiten

Jetzt folgen und

informiert bleiben.


Ähnliche Artikel