Was passiert wenn man beim Bohren in Beton die Armierung trifft?
Wer beim Bohren in Beton die Armierung trifft, riskiert mehr als nur einen stumpfen Bohrer. Im schlimmsten Fall wird ein tragendes Bewehrungseisen beschädigt, was die Tragfähigkeit des Bauteils beeinträchtigen kann. Wie gravierend die Folgen tatsächlich sind, hängt von der Tiefe des Treffers, der Funktion des Bewehrungseisens und dem weiteren Vorgehen ab. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema Armierung treffen beim Bohren.
Wie gefährlich ist es, beim Bohren die Armierung zu treffen?
Einen Bewehrungsstab beim Bohren in Beton zu treffen, ist grundsätzlich ein ernstes Ereignis, das nicht ignoriert werden sollte. Ob es gefährlich wird, hängt davon ab, wie tief der Bohrer eindringt, ob das Eisen nur gestreift oder durchtrennt wird und welche statische Funktion die Bewehrung an dieser Stelle übernimmt. Ein einzelner, leicht angeschliffener Stab in einem nicht tragenden Bauteil ist eine andere Situation als ein durchtrennter Hauptbewehrungsstab in einer Decke oder einem Träger.
Grundsätzlich gilt: Bewehrungsstahl ist kein Hindernis, das man einfach durchbohrt. Die Stäbe sind Teil eines berechneten Systems, das Zugkräfte im Beton aufnimmt. Wird ein Stab durchtrennt oder stark geschwächt, kann die lokale Tragfähigkeit des Bauteils sinken. In tragenden Bauteilen wie Decken, Stützen oder Trägern kann das strukturelle Konsequenzen haben, die ein Statiker beurteilen muss.
Hinzu kommt ein weiteres Risiko: Beschädigter Bewehrungsstahl liegt offen und kann korrodieren, wenn Feuchtigkeit eindringt. Rost dehnt sich aus und sprengt den umgebenden Beton auf, was langfristig zu Betonabplatzungen und weiteren Schäden führt. Deshalb sollte ein Armierungstreffer beim Bohren immer dokumentiert und fachgerecht bewertet werden.
Woran merkt man, dass man die Bewehrung getroffen hat?
Beim Bohren in Beton gibt es mehrere deutliche Anzeichen dafür, dass der Bohrer auf ein Bewehrungseisen gestoßen ist. Das auffälligste Zeichen ist ein plötzlicher Widerstand oder ein metallisches Kratzen, das sich klar von der gleichmäßigen Reibung beim Bohren in Beton unterscheidet. Gleichzeitig verlangsamt sich der Bohrfortschritt abrupt, und der Bohrer kann seitlich abgelenkt werden.
- Plötzlicher Widerstand: Der Bohrer kommt abrupt zum Stillstand oder dreht sich schwerer, obwohl die Bohrtiefe noch nicht erreicht ist.
- Metallisches Geräusch: Ein charakteristisches Kratzen oder Quietschen zeigt an, dass Hartmetall auf Stahl trifft.
- Funkenbildung: Bei Hammerbohrern können beim Kontakt mit dem Bewehrungseisen sichtbare Funken entstehen.
- Metallspäne im Bohrmehl: Wenn das Bohrmehl plötzlich dunkle, metallische Partikel enthält, ist das ein sicheres Zeichen für einen Armierungstreffer.
- Seitliche Ablenkung des Bohrers: Der Bohrer weicht aus seiner geraden Bahn ab, weil er am Stahl abgleitet.
Sobald eines dieser Zeichen auftritt, sollte der Bohrvorgang sofort gestoppt werden. Weiterbohren verschlimmert die Beschädigung des Bewehrungseisens und erhöht das Risiko, den Stab vollständig zu durchtrennen.
Was sollte man tun, wenn man die Armierung getroffen hat?
Wenn Sie beim Bohren in Beton die Bewehrung getroffen haben, sollten Sie den Bohrvorgang sofort stoppen, die Situation dokumentieren und je nach Schwere des Treffers einen Fachmann hinzuziehen. Handeln Sie nicht nach dem Prinzip „wird schon gut gehen“ und bohren Sie nicht einfach weiter oder füllen das Loch ohne Prüfung auf.
Die empfohlene Vorgehensweise nach einem Armierungstreffer:
- Bohrvorgang sofort stoppen und den Bohrer vorsichtig zurückziehen, ohne seitlichen Druck auszuüben.
- Schaden einschätzen: Wurde der Stab nur gestreift oder tiefer angebohrt? Ist er möglicherweise durchtrennt?
- Dokumentieren: Position, Tiefe und Ausmaß des Treffers fotografisch festhalten. Das ist wichtig für die spätere Beurteilung durch einen Statiker.
- Bauleitung oder Statiker informieren: Bei tragenden Bauteilen ist eine fachkundige Beurteilung Pflicht. Nur ein Statiker kann beurteilen, ob und welche Maßnahmen erforderlich sind.
- Bohrloch nicht einfach weiterverwenden: Das beschädigte Bohrloch sollte nicht ohne Weiteres für die geplante Befestigung genutzt werden. Ein neues Bohrloch an einer sicheren Position ist oft die bessere Lösung.
- Korrosionsschutz sicherstellen: Wenn der Stab freigelegt wurde, muss der Bereich fachgerecht verschlossen werden, um Feuchtigkeitseintrag und Korrosion zu verhindern.
Bei nicht tragenden Bauteilen, etwa leichten Trennwänden oder Verkleidungen, ist die Situation weniger kritisch. Dennoch gilt auch hier: dokumentieren, neues Bohrloch wählen und das beschädigte Loch sachgerecht verschließen.
Wie kann man die Armierung vor dem Bohren orten?
Die Armierung vor dem Bohren zu orten, ist die wirksamste Methode, um Bewehrungstreffer zu vermeiden. Dafür stehen verschiedene Ortungsgeräte zur Verfügung, die Bewehrungseisen im Beton zuverlässig lokalisieren, bevor der Bohrer ansetzt. Diese Geräte sind auf jeder professionellen Baustelle Standard und sollten vor jedem Bohrvorgang in Beton eingesetzt werden.
Bewehrungsortungsgeräte
Sogenannte Bewehrungsortungsgeräte oder Ferroscan-Geräte nutzen elektromagnetische Induktion, um metallische Objekte im Beton zu erkennen. Sie zeigen Position, Tiefe und in vielen Fällen auch den Durchmesser der Bewehrungsstäbe an. Professionelle Geräte können Stäbe bis in Tiefen von mehreren Zentimetern zuverlässig orten. Für einfache Anwendungen reichen günstigere Handgeräte aus dem Fachhandel aus, für komplexe Situationen empfehlen sich Geräte mit grafischer Darstellung des Bewehrungsrasters.
Baupläne und Bewehrungspläne nutzen
Neben elektronischen Ortungsgeräten sind Bewehrungspläne eine wichtige Informationsquelle. In diesen Plänen ist das Bewehrungsraster des Bauteils eingezeichnet, inklusive Stabdurchmesser, Abstände und Überdeckung. Wer Zugang zu den Bestandsplänen hat, kann kritische Zonen vorab identifizieren und Bohrlochpositionen entsprechend anpassen. Beide Methoden kombiniert bieten die höchste Sicherheit.
Welche Betonschraube eignet sich nach einer Fehlbohrung noch?
Nach einer Fehlbohrung, bei der die Armierung getroffen wurde, ist das ursprüngliche Bohrloch in der Regel nicht mehr für die geplante Befestigung geeignet. Die beste Lösung ist ein neues Bohrloch an einer sicheren Position. Entscheidend ist dann, eine Betonschraube zu wählen, die mit möglichst geringer Einbohrtiefe auskommt, um das Risiko eines erneuten Armierungstreffers zu minimieren.
Besonders relevant ist hier die Frage der Einschraubtiefe: Je flacher die Schraube sitzt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, erneut auf ein Bewehrungseisen zu stoßen. Für Leicht- und Trockenbauanwendungen ist das ein besonders häufiges Szenario, da dort oft in Betondecken oder Betonwände gebohrt wird, ohne den genauen Verlauf der Bewehrung zu kennen.
Grundsätzlich gilt bei der Wahl der Betonschraube nach einer Fehlbohrung:
- Geringe Einschraubtiefe bevorzugen: Schrauben mit kurzer Einbautiefe reduzieren das Risiko, bei einem neuen Bohrloch erneut auf Bewehrung zu treffen.
- Kleinen Bohrdurchmesser wählen: Ein geringer Bohrdurchmesser bedeutet, weniger Material wird entfernt, und das Risiko einer Bewehrungsberührung sinkt.
- Neue Bohrlochposition sorgfältig wählen: Mindestabstände zur Fehlbohrung einhalten und, wenn möglich, vorher erneut orten.
- Zulassung prüfen: Die verwendete Schraube muss für den jeweiligen Beton (Festigkeitsklasse, gerissen oder ungerissen) zugelassen sein.
TOGE Betonschrauben: Weniger Armierungstreffer durch kurze Einschraubtiefen
Wir bei TOGE entwickeln Befestigungslösungen, die gezielt auf die Herausforderungen des Alltags auf der Baustelle eingehen. Das Thema Armierungstreffer beim Bohren in Beton ist dabei ein konkreter Anwendungsfall, für den wir eine durchdachte Antwort haben.
Unsere TOGE TSM L wurde speziell für den Innenausbau und Trockenbau entwickelt und zeichnet sich durch eine minimale Einschraubtiefe von nur 25 mm aus. Das macht sie zu einer der kürzesten Betonschrauben weltweit und reduziert das Risiko von Armierungstreffern erheblich. Was die TSM L in diesem Kontext besonders macht:
- Einschraubtiefen von 25 mm oder 35 mm: Die geringe Einbautiefe hält den Bohrer weit von typischen Bewehrungslagen entfernt.
- Bohrdurchmesser von nur 6 mm: Schneller Bohrfortschritt auch in hochfestem Beton, mit minimalem Eingriff in das Bauteil.
- Keine Spezialwerkzeuge: Montage mit einem handelsüblichen Akku-Drehschrauber, ohne weiteres Zubehör.
- Demontierbar: Bei Bedarf lässt sich die Schraube wieder entfernen, was nachträgliche Anpassungen ermöglicht.
- Geringe Achs- und Randabstände: Ermöglicht flexible Positionierung auch dann, wenn ein Bohrloch verlegt werden muss.
Wenn Sie unsicher sind, welche Schraube für Ihre konkrete Anwendung nach einer Fehlbohrung die richtige ist, helfen wir Ihnen gerne weiter. Nehmen Sie einfach Kontakt auf auf, und wir beraten Sie technisch fundiert und ohne Umwege.