Wie befestigt man eine Absturzsicherung temporär in frischem Beton?
Eine Absturzsicherung lässt sich temporär in frischem Beton befestigen, wenn dafür speziell zugelassene Befestigungsmittel eingesetzt werden, die für die Verankerung in noch nicht ausgehärtetem Beton geprüft und freigegeben sind. Entscheidend ist, dass das gewählte System die auftretenden Lasten sicher aufnimmt und vollständig demontierbar ist. Die folgenden Abschnitte klären die wichtigsten technischen und normativen Fragen rund um temporäre Befestigungen auf der Baustelle.
Welche Untergrundeigenschaften hat frischer Beton für Befestigungen?
Frischer Beton ist kein homogener, tragfähiger Untergrund im klassischen Sinne. In den ersten Stunden nach dem Einbringen ist das Gefüge noch plastisch, die Druckfestigkeit nahezu null, und die Verbundwirkung zwischen Befestigungsmittel und Beton ist stark eingeschränkt. Für Befestigungen bedeutet das: Standardmethoden, die für ausgehärteten Beton entwickelt wurden, sind in frischem Beton nicht zulässig.
Mit fortschreitender Hydratation gewinnt der Beton zunehmend an Festigkeit. Bereits nach wenigen Stunden kann je nach Zementart, Wasserzementwert und Temperatur eine erste Strukturfestigkeit entstehen. Dennoch bleibt der Beton in dieser frühen Phase empfindlich gegenüber Erschütterungen und Zugbelastungen. Befestigungen, die in dieser Phase eingebracht werden, müssen daher auf die tatsächlich vorhandene Festigkeit abgestimmt sein und dürfen die Betonstruktur nicht schädigen.
Für die Planung temporärer Absturzsicherungen ist außerdem zu beachten, dass frischer Beton in der Regel gerissen oder zumindest rissgefährdet ist, da Schwindprozesse und Temperaturgradienten früh einsetzen. Ein geeignetes Befestigungssystem muss daher auch für gerissenen Beton zugelassen sein.
Welche Befestigungsmethoden sind für temporäre Absturzsicherungen zulässig?
Für temporäre Absturzsicherungen in frischem Beton sind ausschließlich Befestigungsmittel zulässig, die eine spezielle Zulassung für die Verankerung in frischem oder noch nicht vollständig ausgehärtetem Beton besitzen. Chemische Dübel, Spreizanker oder Standardbetonschrauben für ausgehärteten Beton sind in frischem Beton nicht geeignet und dürfen dort nicht eingesetzt werden.
Zulässige Methoden umfassen in der Praxis vor allem:
- Einlegeelemente: Hülsen, Ankerschienen oder Gewindehülsen, die vor dem Betonieren eingelegt und mit dem Beton vergossen werden. Sie sind nach dem Aushärten fest verankert, aber nicht für frischen Beton im eigentlichen Sinne gedacht.
- Schalungsanker-Systeme: Speziell entwickelte Schrauben mit Schalungsankergewinde, die in frischen Beton eingeschraubt werden können und eine Zulassung für diesen Anwendungsfall besitzen. Diese Systeme sind vollständig demontierbar und wiederverwendbar.
- Temporäre Klemm- oder Klemmschienensysteme: Befestigungen an der Schalung selbst, sofern die Schalung die auftretenden Lasten sicher ableiten kann.
Entscheidend ist in jedem Fall, dass das eingesetzte System für die konkrete Anwendung, die zu erwartenden Lasten und den Untergrundtyp ausdrücklich freigegeben ist. Eine Improvisation mit nicht zugelassenen Mitteln ist bei Absturzsicherungen aus haftungsrechtlichen und sicherheitstechnischen Gründen ausgeschlossen.
Ab wann darf man in frischen Beton bohren und befestigen?
In frischen Beton darf grundsätzlich nicht gebohrt werden, solange keine ausreichende Druckfestigkeit erreicht ist, die ein Bohren ohne Schädigung des Gefüges erlaubt. Für Standardbetonschrauben und Dübel gilt: Das Einbringen setzt einen ausgehärteten Untergrund voraus, der die erforderliche Mindestfestigkeit gemäß Produktzulassung aufweist.
Eine Ausnahme bilden Systeme, die ausdrücklich für frischen Beton entwickelt wurden, wie Schalungsanker-Schrauben. Diese werden nicht gebohrt, sondern direkt in den noch plastischen oder früh erhärtenden Beton eingeschraubt. Der Einschraubzeitpunkt ist dabei produktspezifisch und muss den Herstellerangaben und der jeweiligen Zulassung entsprechen.
Als Faustregel gilt: Sobald der Beton eine ausreichende Konsistenz erreicht hat, um das Gewinde aufzunehmen, ohne dass das Material ausweicht oder bricht, ist ein Einschrauben mit zugelassenen Systemen möglich. Der genaue Zeitpunkt hängt von der Betonrezeptur, der Umgebungstemperatur und der Luftfeuchtigkeit ab. Im Zweifelsfall sollte ein Probeeinschrauben an einer unkritischen Stelle erfolgen, um die Tragfähigkeit zu prüfen.
Welche Normen und Vorschriften gelten für temporäre Absturzsicherungen auf Baustellen?
Temporäre Absturzsicherungen auf Baustellen unterliegen in Deutschland einem klar definierten Regelwerk. Maßgeblich sind die Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaft Bau (DGUV Vorschrift 38 und 39), die Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS 2121) sowie die DIN EN 13374, die Anforderungen an temporäre Randsicherungssysteme auf Baustellen festlegt.
Für die Befestigungsmittel selbst gilt: Produkte, die in der EU in Verkehr gebracht werden, müssen seit der Verordnung (EU) 2024/3110 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2024 den harmonisierten Vorschriften für Bauprodukte entsprechen. Diese Verordnung löst die bisherige Bauproduktenverordnung (EU) Nr. 305/2011 ab und legt fest, unter welchen Bedingungen Bauprodukte mit einer Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung in den Verkehr gebracht werden dürfen.
Für Befestigungsmittel, die in sicherheitsrelevanten Anwendungen wie Absturzsicherungen eingesetzt werden, ist eine Europäische Technische Bewertung (ETA) besonders relevant. Sie belegt, dass das Produkt für den vorgesehenen Verwendungszweck geprüft und zugelassen ist. Auf der Baustelle sollten Bauleiter und Sicherheitsverantwortliche sicherstellen, dass:
- das eingesetzte Befestigungssystem eine gültige ETA oder vergleichbare Zulassung für den konkreten Anwendungsfall besitzt.
- die Montage gemäß den Herstellervorgaben und der Zulassung erfolgt.
- die Tragfähigkeit der Befestigung für die zu erwartenden Lasten nachgewiesen ist.
- die Dokumentation für Ausschreibungen und Abnahmen vollständig vorliegt.
Welche Schrauben oder Dübel eignen sich für temporäre Befestigungen in ausgehärtetem Beton?
Für temporäre Befestigungen in ausgehärtetem Beton eignen sich selbstschneidende Betonschrauben, die ihr Gewinde direkt in den Untergrund schneiden, ohne dass ein separater Kunststoffdübel erforderlich ist. Diese Schraubtechnik ermöglicht eine schnelle Montage und, was für temporäre Anwendungen entscheidend ist, eine rückstandsfreie Demontage nach Abschluss der Arbeiten.
Bei der Auswahl des richtigen Systems für ausgehärteten Beton sind folgende Kriterien maßgeblich:
- Betonfestigkeitsklasse: Das Befestigungsmittel muss für die vorliegende Festigkeitsklasse (z. B. C20/25 bis C50/60) zugelassen sein.
- Gerissener oder ungerissener Beton: Auf Baustellen ist gerissener Beton der Regelfall. Das System muss für gerissenen Beton (Rissbreite w = 0,3 mm oder mehr) freigegeben sein.
- Lastanforderungen: Zug- und Querlastkapazität müssen die Anforderungen der Absturzsicherung abdecken.
- Demontierbarkeit: Für temporäre Anwendungen ist eine vollständige und rückstandsfreie Entfernung nach Nutzungsende erforderlich.
- Einbautiefe: Die verfügbare Bauteildicke bestimmt, welche Einbautiefe realisierbar ist.
Wichtig: Spreizanker oder chemische Verbundanker sind für temporäre Anwendungen in der Regel weniger geeignet, da sie entweder schwer zu demontieren sind oder Rückstände im Beton hinterlassen. Selbstschneidende Betonschrauben bieten hier klare Vorteile in Bezug auf Montagegeschwindigkeit und Wiederverwendbarkeit.
Was tun, wenn die Befestigung der Absturzsicherung versagt oder sich löst?
Wenn eine Befestigung der Absturzsicherung versagt oder sich löst, muss der betroffene Bereich sofort gesperrt und die Absturzsicherung außer Betrieb genommen werden. Kein weiterer Zugang zu dem gesicherten Bereich darf erfolgen, bis eine fachgerechte Nachbesserung abgeschlossen und die Tragfähigkeit erneut nachgewiesen ist.
Die häufigsten Ursachen für ein Versagen der Befestigung sind:
- falsch gewähltes Befestigungsmittel für den vorliegenden Untergrund oder die Betonqualität
- Unterschreitung der erforderlichen Einbautiefe
- Montage in gerissenem Beton ohne entsprechende Zulassung
- Überschreitung der zulässigen Lasten durch veränderte Nutzungsbedingungen
- Fehler bei der Montage, z. B. falsches Anzugsmoment oder unzureichende Vorbohrlochtiefe
Nach der Sperrung sollte eine Ursachenanalyse durch eine fachkundige Person erfolgen. Dabei ist zu prüfen, ob der Untergrund die erforderliche Festigkeit aufweist, ob das Befestigungsmittel korrekt ausgewählt und montiert wurde und ob die Lastannahmen der Planung der tatsächlichen Nutzung entsprechen. Erst nach vollständiger Klärung und Behebung der Ursache darf die Absturzsicherung wieder in Betrieb genommen werden.
Für die Dokumentation und eventuelle Haftungsfragen ist es ratsam, den Vorfall schriftlich festzuhalten, Fotos der Schadensstelle zu sichern und die verwendeten Produkte sowie deren Zulassungen zu dokumentieren. Im Schadensfall kann dies entscheidend sein.
Temporäre Befestigung in frischem Beton: TOGE bietet die passende Lösung
Wir bei TOGE haben uns auf genau diese Anforderungen spezialisiert: Befestigungen, die schnell sitzen, hohe Lasten aufnehmen und sich nach Abschluss der Arbeiten rückstandsfrei entfernen lassen. Für die temporäre Befestigung von Absturzsicherungen, Gerüsten und Schalungen in frischem Beton bieten wir mit dem TSM Schalungsanker ein System, das speziell für diesen Anwendungsfall entwickelt und zugelassen wurde.
- Spezielle Zulassung für frischen Beton: Der TSM Schalungsanker ist ausdrücklich für die Verankerung von Baustelleneinrichtungen in frischem Beton zugelassen, was ihn von Standardbetonschrauben klar unterscheidet.
- 15 mm Schalungsankergewinde: Das spezielle Gewinde ermöglicht die Verwendung handelsüblicher Ankermuttern für den Schalungsbau, Maschinenbefestigung und Kernbohrgeräte.
- Hohe Lastaufnahme: Das System nimmt hohe Lasten sowohl in gerissenem als auch in ungerissenem Beton auf und erfüllt damit die Anforderungen sicherheitsrelevanter Anwendungen.
- Vollständig demontierbar und wiederverwendbar: Nach Abschluss der Baustellenphase lässt sich der Schalungsanker rückstandsfrei entfernen und erneut einsetzen, was ihn auch im Sinne der EU-Taxonomie zu einer wirtschaftlichen Wahl macht.
- Schnelle und sichere Montage: Das optimierte Gewinde ermöglicht einen zügigen Einschraubvorgang, der auf Baustellen mit Zeitdruck entscheidend ist.
Wenn Sie Fragen zur richtigen Auswahl, zur Zulassung oder zur korrekten Montage haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Nehmen Sie einfach Kontakt auf, und wir helfen Ihnen, die passende Lösung für Ihre Baustelle zu finden.